Plattform „Unser Rohrspitz“

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06.04.2016 TAGESPRESSE: „Dieses Vorhaben geht weit darüber hinaus“

Vorarlberger Nachrichten

Rohrspitz-Bescheid wird demnächst erwartet. Der Naturschutz erneuert die Kritik an den Ausbauplänen. 

Fußach
In wenigen Wochen soll es soweit sein und der Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Bregenz zum Salzmann-Hafen-Ausbau vorliegen. „Wir befinden uns derzeit im Entwurfsstadium“, bestätigt Dietmar Ender, Leiter der Abteilung Allgemeine Verwaltung. Zum Ausgang des Verfahrens wollte Ender am Dienstag noch keine Angaben machen. „Es sind nach wie vor rechtliche Prüfungen im Gange. Die Entscheidung ist noch offen“, unterstreicht er. Sowohl die Naturschutzanwaltschaft als auch die Plattform „Unser Rohrspitz“ gehen jedoch davon aus, dass der Bescheid positiv ausfallen wird.

Katastrophal und nicht nachvollziehbar


Elke Wörndle, Mitglied von „Unser Rohrspitz“ und Gemeindevertreterin (Natürlich Fußach!) kann das Vorgehen der Behörden nicht nachvollziehen. Auch aus Sicht der Naturschutzanwaltschaft, die unlängst eine Stellungnahme zum Ausbau der Freitzeitanlage am Rohrspitz abgegeben hat, sind die naturschutzrechtlichen Voraussetzungen für die Erteilung einer Bewilligung nicht gegeben. Die Erweiterung werde sowohl vorübergehend während der Bauzeit als auch langfristig durch den Bestand des neuen Gebäudes und des erweiterten Campingplatzes sowie mittelbar durch die intensivierte Nutzung der Anlage erhebliche Auswirkungen auf die Umgebung haben, ist Naturschutzanwältin Katharina Lins überzeugt. „Wir haben auch in den vielen früheren Diskussionen immer betont, dass ein Ausbau und eine Modernisierung der Anlage im bestehenden Umfang vertretbar ist. Dieses Vorhaben geht aber weit darüber hinaus“, kritisiert sie. Im Zentrum eines international bedeutenden Schutzgebietes müsse der Schutz der Natur Vorrang haben – „Sport und Erholung sind auch an vielen anderen Orten möglich.“ 

Fehlende Bewilligung

Die Plattform „Unser Rohrspitz“ ortet darüber hinaus erhebliche Verfahrensmängel. Eine Eingabe an die Landesvolksanwaltschaft ist vor wenigen Wochen erfolgt. Die Mitglieder vermissen naturschutzrechtliche Bewilligungen für die Livemusik-Veranstaltungen, für die Erweiterung der Sperrstunde und für diverse Schleppfahrten. „Außerdem vernachlässigten die Behörden seit Jahrzehnten die gesetzliche Auflage, die kumulativen Auswirkungen aller Bewilligungen im Natura-2000-Gebiet zu erheben“, ergänzt Wörndle, die nicht zuletzt bezweifelt, dass es für den Kiosk eine gewerberechtliche Genehmigung gibt.


Geraldine Reiner