Plattform „Unser Rohrspitz“

8 Vereine 5885 Unterschriften

 
 

07.12.2010 Bauvorhaben in der Natur: Entscheidungen

img img

Naturschutz oder wirtschaftliches Interesse? Über zahlreiche Projekte wird derzeit im Land debattiert. Ein Überblick.

Bei manchem sind sogar ÖVP- und Grünen- Politiker ähnlicher Ansicht. „Krisenzeiten sind keine guten Zeiten für den Naturschutz, weil unter dem Primat Arbeitsplatz vieles geopfert wird“, sagte Landesrat Erich Schwärzler im Oktober im VN- Interview. „Der Naturschutz zieht gegenüber Interessen der Wirtschaft und des Tourismus systematisch den Kürzeren“, kritisiert Grünen- Klub­obmann Johannes Rauch. Fragen, die sich in Vorarlberg immer wieder stellen: Wie viel Naturraum darf für Energieautonomie, Tourismus und Wirtschaft geopfert werden? Welche Interessen wiegen schwerer? Die VN geben eine Übersicht der aktuell geplanten Projekte, die Naturschützern gar nicht gefallen.

Ausbau Rohrspitz

Am Fußacher Rohrspitz im Natura2000- Gebiet will Günter Salzmann seine Freizeitanlage umbauen. Zusätzlich zu einem kleinen Hotel, Kiosk und Restaurant ist die Errichtung einer Tiefgarage mit 220 Stellplätzen und einer Bootsgarage vorgesehen. Derzeit laufen Behördenverfahren, eine Baugenehmigung wurde noch nicht erteilt. Das Land Vorarlberg hat vor Kurzem auf Drängen des Naturschutzrats nun auch eine Naturverträglichkeitsprüfung angeordnet. Eigentlich wollte Salzmann schon diesen Herbst mit dem Umbau beginnen. Auch der um ein Jahr verschobene Baustart ist fraglich.

Kraftwerk Bregenz

Die Wasserkraft der Bregenzerach soll nach den Plänen der VKW zur Energiegewinnung genutzt werden. Drei Standorte werden derzeit untersucht: Varianten am Ende der Bregenzerachschlucht in Kennelbach, auf dem Areal der Vkw in Bregenz- Weidach und direkt an der Achmündung sind im Gespräch. Letztere wird derzeit präferiert. Dafür müssten jedoch Druckrohrleitungen im Naturschutzgebiet, unter dem Auwald, eingegraben werden. Gleichzeitig könnte man bei der Achmündungsvariante aber den Hochwasserschutz verbessern.

Straßenvarianten Unteres Rheintal

Um die Verkehrssituation in und um Lustenau zu verbessern, sind derzeit verschiedene Trassen angedacht. Die Variante E, die direkt durch das Naturschutzgebiet führt, wurde unlängst in den Planungsprozess zurückgeholt. Von einer Westvariante entlang des Rheins hat man mittlerweile Abstand genommen.

Erlebniswelt Diedamskopf und Speicherteich

Der Diedamskopf soll nahe der Bergstation untertunnelt werden, um darin ein Veranstaltungszentrum zu errichten. So sehen es die Pläne der Bergbahnen Diedamskopf vor. Kavernen im Berg sollen bis zu 300 Menschen Platz bieten, Aussichtsplattformen den Blick auf Zugspitze, Pfänder, Säntis und Schafberg freigeben. Zudem ist die Errichtung eines bis zu 150.000 Kubikmeter Wasser fassenden Beschneiungsteiches auf der Alpe Oberdiedams angedacht.

Auenfeld- Jet

Eine knapp zwei Kilometer lange 10er- Gondelbahn könnte die Skiräume Lech auf der einen und Schröcken/Warth auf der anderen Seite über das Auenfeld verbinden. Die Seilbahntrasse ist am westlichen Rand des Auenfelds auf der Mohnenfluhseite situiert. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist laut Land nicht notwendig, die Projektwerber haben das Bauvorhaben bereits zur Genehmigung eingereicht.

Kraftwerk Lech

Auch am Fluss Lech könnte ein Kraftwerk der VKW entstehen. Unterhalb der Kläranlage soll Wasser aus dem Lech abgeleitet und knapp vor der Grenze wieder in den Fluss geleitet werden. Pläne für das Projekt liegen zwar vor, es wurde aber noch nicht eingereicht. Denn solange offen ist, was mit dem ÖBB- Spullerseeprojekt passiert, kann auch das Kraftwerk nicht endgültig dimensioniert werden. Denn die Zukunft des Spullerseekraftwerks ist derzeit ungewiss: Erst sorgten die ÖBB mit den Plänen zum Bau der „Beileitung Ost“, mit der Nebenflüsse des Lech abgeleitet würden, für Empörung bei Grundeigentümern und Naturschützern, dann überlegten die ÖBB gar den Verkauf. Der Ausbau ist jedenfalls bis zum Frühjahr 2011 in einer „Nachdenkpause“. Falls die „Beileitung Ost“ kommt, hätte sie auch auf das Lechkraftwerk Auswirkungen.

Golfplatz Zugertal

Im Zugertal ist eine 9- Loch- Golfanlage samt Klubhaus und Parkplätzen auf einer Gesamtfläche von 19 Hektar geplant. Die Unterlagen für eine Umweltverträglichkeitsprüfung beim Land werden noch in diesem Jahr eingereicht. Der Golfplatz soll nicht in einem Naturschutzgebiet entstehen, allerdings in einer weitgehend naturnahen Landschaft.

Fußballplatz Thüringen

10.000 Quadratmeter Auwald in der Landesgrünzone sollen einem Fußballtrainingsplatz weichen. Eine Entscheidung, ob der Fußballklub Thüringen den Platz bauen darf, hat die BH Bludenz noch nicht gefällt. Die Bewilligungsverfahren laufen noch.

Baumkronenweg Golm

Nach Alpine Coaster, Flying Fox und Waldseilpark soll bald eine weitere Attraktion Besucher an den Golm locken. Die Illwerke planen derzeit einen Baumkronenweg. Auf Plattformen und Stegen – Holz- oder Stahlkonstruktionen – könnten Besucher dann in einer Höhe bis zu 30 Metern und auf einer Länge von 300 Metern durch den Krestakopf- Wald spazieren, bis sie am Ende an einem Aussichtsturm in 40 Metern Höhe ankommen. Um das Projekt umzusetzen, wäre ein aufwendiges Genehmigungsverfahren notwendig.

Verbindungsbahn Hochjoch- Nova

Für 30 Millionen Euro soll eine neue Achter- Gondelbahn die Skigebiete Hochjoch und Silvretta Nova verbinden. Nach der heurigen Wintersaison will die Silvretta Montafon AG mit dem Bau der vier Kilometer langen „Grasjoch“- Verbindungsbahn und der 1,4 Kilometer langen Hochalpilabahn starten. Die Bewilligungsverfahren sollen noch im Dezember abgeschlossen werden. Bei der BH Bludenz läuft das naturschutz- und forstrechtliche Bewilligungverfahren.


Iris Burtscher