Plattform „Unser Rohrspitz“

8 Vereine 5883 Unterschriften

 
 

21.10.2010 Schlechte Zeiten für Umweltschutz - VN Interview mit LR Schwärzler

img img

Wie geht es dem Umweltschutz insgesamt im Land? Im Natura- 2000- Gebiet Rohrspitz plant man eine Tiefgarage, am Diedamskopf einen Touristentunnel . . . Ist der Umweltschutz endgültig ermüdet?
Schwärzler: Nein. Wir haben auf engem Raum Naturnutzung und Naturschutz in einem Spannungsfeld. Aber zeigen Sie mir ein Land in ganz Europa, wo so viel Bio­topflächen im Siedlungsraum liegen wie in Vorarlberg! Schauen wir in die Schweiz, die haben das ganze Bodenseeufer verbaut. Wir haben das Bodenseeufer als Schutzgebiet deklariert. Deshalb sag ich: Das soll man nicht einem Großprojekt opfern. Wir haben 23 Natura- 2000- Gebiete, die wir an sich sehr gut umgesetzt haben. Aber die müssen auch bewirtschaftet werden. Landwirtschaft und Naturschutz sind in diesem Sinn Zukunftszwillinge.
Viele Umweltschützer kapitulieren inzwischen: Lohnt es sich überhaupt, dagegen anzurennen, wenn sie dann eh überstimmt werden?
Schwärzler: Krisenzeiten sind keine guten Zeiten für den Naturschutz, weil unter dem Primat Arbeitsplatz vieles geopfert wird. Trotzdem muss es Grenzen geben. Wir haben schon den Druck, der sagt: Weil die Nachbarn das auch machen . . . Und doch haben wir kein Gletscherskigebiet, das man vor zwei Jahren noch andiskutiert hat am Beispiel Tirols. Eine neue Entwicklung ist, dass man heute nicht mehr nur über Verbotszonen spricht, sondern über die Hausordnung der Natur. Da hat sich viel verändert. Wer mit der Natur Geld verdient, muss ihr etwas zurückgeben. Aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes war Mellau–Damüls abzulehnen, in der Gesamtabwägung der Zukunft dieser Bergregion hat man Ja gesagt, aber die Betreiber mussten eine Million Euro Ausgleichszahlungen leisten. Dieses Geld setzen wir in der Region für lebensunterstützende Maßnahmen ein.
Am Rohrspitz sagen Sie auch Nein. Aber was hilft das?
Schwärzler: Also, wenn ich nicht mehr Nein sage, wer soll dann noch Nein sagen?
Natürlich, Sie sind ja Umweltlandesrat. Aber nützt es was?
Schwärzler: Es kann doch nicht sein, dass jeder Kleine, der einen Stadel dort unten hat und ein bisschen was verändern will, drei Mal „nein“ zur Antwort erhält. Und dann kommt so ein großes Projekt daher. In der Dimension muss man Nein sagen. Ich sage nicht, dass man keine Verbesserungsmaßnahmen treffen darf, aber nicht in dieser Dimension. Dafür werde ich mich einsetzen und dafür werde ich kämpfen. Ich kann nicht sagen, ob ich gewinne.
Kann man mehr als nur Nein sagen?
Schwärzler: Man kann mehr. Ich hab das mit den Projektgegnern strategisch durch- besprochen und Landesrat Karlheinz Rüdisser gebeten: Nimm die Fragen der Gegner ernst. Wir haben da unten ein Natura- 2000- Gebiet und ein Verschlechterungsverbot. Ich frage mich sowieso, weshalb die Tiefgarage an den Rohrspitz hinaus muss. Die sollen die Tiefgarage doch im Ort neben die Kirche setzen und Elektro- Autos nehmen zum Ein- und Ausfahren. Wieso geht sowas nicht, nur weil einer Nein sagt da unten? Man muss bereit sein, über Alternativen zu reden.
Und wenn die Behörde das Projekt genehmigt?
Schwärzler: Dann gibt’s eine Berufungsinstanz.
Irgendwann würde es zu Demonstrationen vor Ort kommen. Wo stehen Sie dann?
Schwärzler: Dort, wo ich hingehöre natürlich. Bei den Demonstranten.


Gerold Riedmann, Thomas Matt