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Natura 2000

2003 wurde das Naturschutzgebiet Rheindelta in die Liste der Natura 2000 Gebiete der EU aufgenommen.

Was ist Natura 2000?


Natura 2000 ist das EU-weite Netz von Schutzgebieten zur Gewährleistung des Fortbestandes der wertvollsten europäischen Arten und Lebensräume und der Erhalt der biologischen Vielfalt (Biodiversität). Sein Zweck ist der länderübergreifende Schutz gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume.

Was versteht man unter biologischer Vielfalt und warum ist sie wichtig?


Biodiversität ist ein Ausdruck der Anzahl, Verschiedenheit und Variabilität lebender Organismen. Sie beschreibt die Vielfalt innerhalb der Arten, die Vielfalt zwischen Arten und die Vielfalt von Ökosystemen.
Biodiversität spielt eine wichtige Rolle in der Art und Weise wie Ökosysteme funktionieren und dem Menschen nutzen. Zu den positiven Effekten zählen unter anderem intakte Nährstoff- und Wasserkreisläufe, Bodenbildung und -erhaltung, Beständigkeit gegen invasive Arten, Bestäubung von Pflanzen, Klimaregulierung und Bekämpfung von Schädlingen und Umweltverschmutzung, Erholung. Der Verlust an Biodiversität hat negative Auswirkungen auf viele Aspekte des menschlichen
Wohlbefindens, wie z.B. Ernährungs- und Energiesicherheit, Anfälligkeit für Naturkatastrophen und Zugang zu sauberem Wasser und Rohstoffen.
Menschliches Handeln hat alle Ökosysteme der Erde drastisch verändert und das Artensterben im Vergleich zum natürlichen Tempo um mindestens das Hundertfache beschleunigt.
Langfristig wird der Wert der verlorenen Biodiversität die kurzfristigen wirtschaftlichen Gewinne, die durch die Veränderung von Ökosystemen erzielt werden, um ein Vielfaches übersteigen.

Was ist die rechtliche Grundlage von Natura 2000?


Natura 2000 beruht auf zwei EU-Rechtsvorschriften:
  • Vogelschutzrichtlinie von 1979
  • Fauna-Flora-Habitat (FFH) -Richtlinie von 1992

Die EU hat sich verpflichtet, den Ruckgang der biologischen Vielfalt bis 2010 aufzuhalten.

Was besagt die Vogelschutzrichtlinie von 1979?


Die Richtlinie über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (Vogelschutzrichtlinie) wurde am 2.4.1979 vom Rat der Europäischen Gemeinschaft erlassen.
Ziel der Vogelschutzrichtlinie ist es, sämtliche im Gebiet der EU-Staaten natürlicherweise vorkommenden Vogelarten einschließlich der Zugvogelarten
in ihrem Bestand dauerhaft zu erhalten, und neben dem Schutz auch die Bewirtschaftung und die Nutzung der Vögel zu regeln.
Gemäß Artikel 5 der Richtlinie ist es grundsätzlich verboten, wildlebende Vogelarten zu töten oder zu fangen. Nester und Eier dürfen nicht zerstört, beschädigt oder entfernt werden, auch die Vögel selbst dürfen, besonders während ihrer Brut- und Aufzuchtzeit, weder gestört noch beunruhigt werden.
Für 193 Arten und Unterarten sind besondere Schutzgebiete zu schaffen. Ebenfalls mussen die Vermehrungs-, Mauser-, Rast- und Überwinterungsgebiete von regelmäßig auftretenden Zugvogelarten besonders geschutzt werden. Für sie sind diese Maßnahmen unter besonderer Berucksichtigung der Ramsar-Gebiete zu ergreifen.

Was besagt die Fauna-Flora-Habitat- (FFH) Richtlinie von 1992?


Die FFH-Richtlinie hat zum Ziel, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schutzen.
Dies soll v.a. über die Natura 2000 Schutzgebiete erreicht werden.

Steht Natura 2000 im Widerspruch zu wirtschaftlichen Aktivitäten?


Natura 2000 baut auf der Koexistenz von Mensch und Natur durch Schaffung einer lebendigen und sich wandelnden Landschaft auf. Eine Bewirtschaftung durch den Menschen ist notwendig, um viele vertraute Lebensräume wie z.B. Wiesen, Heide- und Waldflächen zu bewahren. EU-Mitgliedsstaaten mussen jedoch sicherstellen, dass Gebiete vor Veränderungen, die Schäden verursachen, geschützt sind und dass sie gemäß den Vorschriften der FFH-Richtlinie verwaltet werden.
Zu diesem Zweck werden auch Subventionen an die Landwirtschaft ausgeschüttet, die auf der folgenden Webseite nachvollzogen werden können:
www.transparenzdatenbank.at

Wie wird ein Gebiet zum Natura 2000 Gebiet gewählt?


Das Natura 2000-Netzwerk besteht aus besonderen Schutzgebieten, die für einen oder mehrere der über 230 gefährdeten Lebensraumtypen und über 1000 Arten ausgewiesen wurden, die in den Anhängen der Habitat-Richtlinie aufgelistet sind.
Ferner umfasst das Netzwerk besondere Schutzgebiete für über 190 bedrohte Vogelarten und Feuchtgebiete nach den Maßgaben der Vogelschutzrichtlinie.
Einige davon sind Gebiete mit besonderer Bedeutung sowohl in der Vogelschutz- als auch in der Habitatrichtlinie. Zu diesen zählt auch das Naturschutzgebiet Rheindelta.
Die Auswahl der Gebiete nach der Habitat-Richtlinie erfolgt in drei Phasen:
  1. Phase: wissenschaftliche Bewertung der Arten und Lebensräume auf nationaler Ebene
  2. Phase: Auswahl der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung durch die europäische Kommission in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten und wisschenschaftlichen Sachverständigen, unabhängig von politischen oder administrativen Grenzen.

  3. Phase: Integration in das Natura 2000-Netzwerk: Die Mitgliedsstaaten haben bis zu 6 Jahre Zeit, um die ausgewählten Gebiete als besondere Schutzgebiete auszuweisen und nötigenfalls für positive Managementmaßnahmen zu sorgen, um einen gunstigen Schutzstatus für die Arten und Lebensräume zu erhalten oder wieder herzustellen.



Welche Verpflichtungen bestehen für Natura 2000-Gebiete?


Schädigende Aktivitäten, die die Arten beträchtlich stören oder die Lebensräume, für die das Gebiet ausgewiesen wurde, beeinträchtigen könnten, mussen vermieden werden.
Erforderlichenfalls mussen positive Maßnahmen ergriffen werden, um diese Lebensräume und Arten zu erhalten oder wieder einen gunstigen Erhaltungszustand in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet herzustellen.
Die Schaffung der rechtlichen Grundlage zum Schutz der Gebiete obliegt den Mitgliedsstaaten.
Die Habitat-Richtlinie empfiehlt den Einsatz von Managementplänen, um einen Dialog zwischen allen interessierten Parteien in Gang zu bringen.

Was muss bei geplanten Eingriffen in ein Natura 2000 Gebiet berucksichtigt werden?


Bei geplanten Eingriffen in ein FFH-Gebiet ist eine Vorprufung durchzufuhren, bei der gepruft wird, ob die Möglichkeit einer erheblichen Beeinträchtigung des Vorhabens auf das FFH-Gebiet entstehen kann. Dabei ist es egal, ob das Vorhaben direkt im Gebiet stattfinden oder dieses von außen beeinflussen kann. Lässt sich eine erhebliche Beeinträchtigung nachweislich nicht ausschließen, muss eine Verträglichkeitsprufung erfolgen.
Bei der Verträglichkeitsprufung gilt ein grundsätzliches Verschlechterungsverbot. Verschlechterungsverbot bedeutet, dass keine wesentlichen Verschlechterungen der Lebensraumtypen sowie erhebliche Störungen der für das Gebiet gemeldeten Arten erfolgen dürfen.
Ergibt die Verträglichkeitsprufung, dass das Projekt zu Beeinträchtigungen des FFH-Gebietes fuhren kann, ist es zunächst unzulässig.
Diese Unzulässigkeit des Projektes kann nur überwunden werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass es keine Projekt- und Standortalternative gibt und ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht. Dieses öffentliche Interesse muss im Einzelfall höher wiegen als das öffentliche Interesse am Schutz des betroffenen Gebietes. Ist durch den Eingriff ein so genannter prioritärer Lebensraum nach Anhang I oder eine prioritäre Art nach Anhang II betroffen, ist bei bereits eingetragenen FFH-Gebieten die Zustimmung der EU-Kommission erforderlich.
Ist der Eingriff zulässig, muss dafür ein Ausgleich geleistet werden.